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Fragen und Antworten (FAQ)

Wie unterscheiden sich akuter und chronischer Schmerz?

Der akute Schmerz ist der Wachhund der Gesundheit. Er warnt vor Körperschädigungen von außen oder von innen. Er hält kurz an und ist in der Regel deutlich zu lokalisieren. Der Schmerzcharkater ist meist scharf. Chronische Schmerzen können bei manchen Krankheiten als einziges Symptom über Monate und Jahre bestehen bleiben. Die Schmerzen sind entweder dauernd da oder treten immer wieder auf. Sie sind schlecht zu lokalisieren und haben häufig einen dumpfen Charakter. Der chronische Schmerz hat keine eigene biologische Funktion. Er warnt nicht vor Gesundheitsschäden, da die Grundlage für den Schmerz entweder nicht behandelbar ist oder nicht festgestellt werden kann. Chronische Schmerzen muß man als eigenständige Schmerzkrankheit begreifen.

Wann bezeichnet man einen Schmerz als chronisch?

Wenn ein Schmerz über die akute Phase einer Krankheit hinaus andauert, d.h. ein Zahnschmerz kann nach einigen Tagen schon chronisch sein, wenn der Zahn behandelt ist und keine Entzündung oder sonstigen Reizungen mehr vorhanden sind. Auf jeden Fall geht man nach einem halben Jahr Dauer von einem chronischen Schmerzzustand aus.

Bedeutet "chronisch", daß ich den Schmerz immer behalte und daß er nicht behandelbar ist?

Nein. Chronische Schmerzen sind prinzipiell behandelbar, wenn auch nicht alle. Es ist Aufgabe der Algesiologie (Schmerztherapie), möglichst zu verhindern, daß Schmerzen überhaupt chronisch werden. Wenn sich dann doch eine Schmerzkrankheit entwickelt hat, kann diese in aller Regel durch die moderne Schmerztherapie gelindert oder ganz zum Verschwinden gebracht werden. Selbstverständlich gibt es auch Schmerzen, die ein Leben lang bestehen bleiben. Aufgabe der Schmerztherapie ist es dann, den Schmerz mit allen Therapiemaßnahmen so weit zurückzudrängen, daß die Lebensqualität erhalten bleibt. "Chronisch" heißt also nur ein "langfristiger Verlauf" und bedeutet, daß der Schmerz zu einer selbständigen Krankheit geworden ist. Es bedeutet aber nicht, daß er unbehandelbar wäre oder gar lebenslag bestehen bleiben müßte.

Was kann ich selber gegen chronische Schmerzen tun?

Wichtig ist, daß Sie sich an einen Schmerzspezialisten wenden, der mit Ihnen zusammen den Schmerz bekämpft und soweit zurückdrängt, daß Ihre Lebensqualität erhalten bleibt. Sie selbst sollten alle Anweisungen genau befolgen, sich über Ihren Schmerz und Ihr eigenes Verhalten genau informieren lassen. Alle Maßnahmen, die Ihre Eigenaktivität fördern, werden Ihnen helfen, den Schmerz zu besiegen. Wenn Sie in Depressivität und Inaktivität verfallen, ist es häufig unmöglich, Ihrem Schmerz beizukommen.

Wenn ich Medikamente über einen längeren Zeitraum, z.B. Jahre einnehmen muß, habe ich dann mit Folgeerkrankungen zu rechnen?

In der Regel wird Ihr Arzt Ihre Therapie zusammenstellen, leiten und überwachen. Hier sind Sie als aktiver und informierter Partner gefordert. Es gibt viele Medikamente, die man über Jahre, Jahrzehnte oder gar lebenslang nehmen muß, und die keine Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Allerdings sollten Sie eine Dauermedikation nie ohne kontinuierlichen ärztlichen Rat einnehmen.

Eine örtliche Betäubung kann doch nur gegen akute Schmerzen wirken, z.B. zur Schmerzvermeidung bei einer Zahnbehandlung. Wieso kann sie dann bei chronischen Schmerzen überhaupt wirksam sein?

Die Lokalanästhesie bringt bei chronischen Schmerzen nicht nur vorübergehende Schmerzlinderung, sondern dadurch, daß sie den Teufelskreis zwischen Schmerz, Muskelverspannung und lokaler Durchblutungsstörung durchbricht, kann sie eine Heilung einleiten. Die Lokalanästhesie wirkt über das vegetative Nervensystem, das mit einer Serie von Lokalanästhesien immer wieder ruhiggestellt wird, in dieser Zeit kann der Körper seine Funktionen in Richtung Entspannung und Nervenberuhigung regulieren. Eine Serie von Lokalanästhesien an Triggerpunkten führt also durchaus zu einer Heilung.

Bezahlt meine Krankenkasse alle meine Schmerztherapien?

Im Prinzip ja. Viele wirksame Methoden finden sich allerdings nicht im Leistungsverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen (EBM). Diese Methoden sind entweder noch zu neu und unbekannt, als daß sie schon in diesem Gebührenverzeichnis aufgenommen werden könnten oder sie sind aus Kostengründen irgendwann einmal aus diesem Leistungsverzeichnis, wie z.B. Biofeedback und Lasertherapie, gestrichen worden.

Wie finde ich einen Schmerzspezialisten in meiner Nähe? Kann ich mich nach der Bezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" auf dem Arztschild richten?

Die Bezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" weist Ärzte als besonders in der Schmerztherapie fortgebildete Ärzte aus, aber nicht als erfahrene Schmerztherapeuten. Angestrebt wird ein Facharzt für Algesiologie (Schmerztherapie). Sie können allerdings bei Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung eine Liste der zu der Schmerztherapie-Vereinbarung der Kassenärztlichen Vereinigung und Krankenkassen zugelassenen Ärzte anfordern. Diese Ärzte haben nicht nur eine Fortbildungsqualifikation, sondern auch viel Erfahrung und schmerztherapeutische Kompetenz. Natürlich können Sie auch uns fragen. Wir versuchen Ihnen dann, so schnell wie möglich mit den entsprechenden Adressen weiterzuhelfen.

Da es noch keinen Facharzt für Algesiologie (Schmerztherapie) gibt, fehlt dem ratsuchenden Patienten häufig die Orientierung. Woran kann ich einen qualifizierten Schmerzspezialisten erkennen?

Ein Schmerzspezialist hat heutzutage die verbandsinterne Zusatzbezeichnung "Algesiologe DGSS/STK". Er ist in aller Regel auch zu der Schmerztherapie-Vereinbarung zwischen den Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen zugelassen. Im Vorfeld der Behandlung werden Sie von ihm immer einen Schmerzfragebogen bekommen. Während der Behandlung wird er oft von Ihnen verlangen, ein Schmerz-Tagebuch zu führen. Sein Methodenspektrum ist breit und er wird also nicht nur therapeutische Lokalanästhesie und Akupunktur durchführen, sondern viele andere diagnostische und therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung haben.

Warum werden meine Schmerzen von vielen Ärzten häufig nicht ernst genommen?

Auch heute noch ist es leider gar nicht selten, daß chronische Schmerzen als überwiegend psychisch oder gar als eingebildet angesehen werden. Dies liegt daran, daß alle Ärzte während ihrer Ausbildung wenig oder gar nichts über Schmerztherapie gelernt haben. Bestehen Sie darauf, daß nur Sie selbst der Experte für Ihren individuellen Schmerz sind und daß nur Sie wissen können, ob Ihnen etwas wehtut oder nicht. Schmerzen, die Sie empfinden, sind immer real, ganz gleich, ob sie eine körperliche, eine seelische oder eine gemischte Ursache haben.

Warum werde ich, wenn ich Opioide einnehme, häufig schief angesehen oder gar für süchtig gehalten?

Während der Medizinausbildung lernt man immer noch, daß Opioide süchtig machen. Das kommt daher, daß man früher Morphin und Verwandte (Opioide) ausschließlich gespritzt hat. Dieses Auf und Ab des Blutspiegels zwischen den einzelnen Spritzen kann bei empfänglichen Personen eine Sucht auslösen. Sucht bedeutet, daß die Substanz auch dann vom Körper verlangt wird, wenn kein Grund, z.B. keine Schmerzen bestehen. Eine wissenschaftlich fundierte Gabe von Opioiden in Retard-Form (wird langsam freigesetzt) und nicht nach Bedarf, sondern nach der Uhr, löst auch bei Dauereinnahme keine Sucht aus. Ein Körper mit chronischen Schmerzen reagiert auf diese Substanzen nicht mit einer Suchtentwicklung. Beim abrupten Absetzen können allerdings körperliche Entzugserscheinungen auftreten.

Warum beteiligen sich die Ärzte des Schmerzzentrums Frankfurt nicht an dem Akupunktur-Modellversuch der Krankenkassen, obwohl sie die Schmerz-Akupunktur in Deutschland eingeführt haben?

Die Akupunktur im Rahmen des Modellversuches könnte nützlich sein, wenn sie in ein schmerztherapeutisches Gesamtkonzept eingebunden wäre. Chronische Schmerzpatienten müssen immer mit einem sinnvollen Therapiekomplex, d.h. mit mehreren sich ergänzenden Therapieverfahren gleichzeitig behandelt werden. Wenn jetzt nur Akupunktur als Auftragsleistung durchgeführt wird, ohne daß die anderen Faktoren der Schmerzerkrankung berücksichtigt werden, wird der Erfolg nicht besonders gut sein. Da Akupunktur allein manchmal nicht überzeugend wirksam ist, kommt es darauf an, diese Methode in ein effektives Therapiespektrum einzubeziehen. Da aber das schmerztherapeutische Gesamtkonzept bei dem Akupunktur-Modellversuch völlig außer acht gelassen wurde, nehmen wir nicht daran teil. Akupunktur für chronische Schmerzzustände ist nur dann sinnvoll, wenn der Schmerzspezialist diese Methode in sein schmerztherapeutisches Gesamtkonzept integriert.

Warum soll es schädlich sein, bei Kopfschmerzen Kopfschmerztabletten einzunehmen?

Die häufige und regelmäßige Einnahme von Kopfschmerztabletten, die oft auch noch Mischanalgetika sind, ist gefährlich. Es können Organschäden auftreten und bei häufiger Einnahme werden die Kopfschmerzen insgesamt verstärkt. Bei einfachen Kopfschmerzen, deren Ursache Sie kennen (z.B. nach einer durchgefeierten Nacht), sollten Sie auf Hausmittel zurückgreifen, d.h. Eisbeutel, Kopf auslüften, Spaziergang, reichlich trinken. Wenn das nicht hilft und Sie doch zur Tablette greifen müssen, sollten Sie immer ein Monopräparat einnehmen, nicht mehr als dreimal am Tag und nicht länger als drei Tage, ehe Sie einen Arzt konsultieren. Wenn Sie sehr häufig Kopfschmerztabletten nehmen, wirken diese nicht mehr gut. Ihr Kopfschmerz wird immer häufiger und heftiger (Kopfschmerzmittel-Kopfschmerz).

Viele Ärzte haben mir gesagt, ich müsse mit meinen Schmerzen eben leben, da man nichts dagegen machen könne. Wie soll ich das anstellen?

Zuerst sollten Sie die Hoffnung nicht aufgeben, daß man nicht doch etwas findet, um Ihre Schmerzen zu lindern. Zum anderen gibt es Schmerzen, die hartnäckig und trotz aller Therapien bestehen bleiben. Um zu lernen, damit zu leben, gibt es sogenannte Schmerzbewältigungsstrategien ("Fakirtechnik"). Dies sind wichtige Verhaltensweisen, die Sie selbst erlernen können.

Alle raten mir gegen meine Kreuzschmerzen zu Bewegung und Gymnastik. Jede Bewegung tut mir aber weh. Wie soll ich denn so meine Muskeln trainieren?

Aktivität, Bewegung und Muskeltraining ist nicht nur für den Bewegungsapparat gut, sondern es macht Sie auch schmerzunempfindlicher und stärkt Ihr Immunsystem. Um trotz Schmerzen wieder in Bewegung zu kommen, muß natürlich erst einmal an der Schmerzdämpfung gearbeitet werden. Dies geschieht mit vielfältigen schmerztherapeutischen Methoden medikamentöser und nichtmedikamentöser Art. Es ist selbstverständlich, daß Ihre Schmerzen erst gelindert werden müssen, ehe Sie mit einem Trainingsprogramm anfangen. Dies ist nicht nur möglich, sondern unbedingt nötig, weil sonst aus Ihrer ganzen aktiven Bewegung nichts wird.

Was ist Schmerz?

Die internationale Schmerzgesellschaft (International Association for the Study of Pain, IASP) hat folgende Definition erarbeitet: "Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird." Oder einfacher formuliert: Schmerz ist immer real und Schmerzen bestehen immer, wenn der Patient angibt, Schmerzen zu haben, auch wenn keine objektivierbaren Befunde vorliegen.

Einerseits heißt es, man soll nicht bei jedem Kopfschmerz gleich Tabletten nehmen. Andererseits wird geraten, bei einem Migräneanfall sehr rechtzeitig Medikamente zu nehmen. Wie soll ich mich nun verhalten?

Sie müssen immer erst einmal generell entscheiden, ob die Kopfschmerzen so stark sind, daß Sie überhaupt etwas einnehmen müssen. Dann müssen Sie entscheiden, welches Medikament das Richtige ist, ob z.B. Aspirin genügt oder ob ein Triptan sein muß. Das richtige Vorgehen sollten Sie mit Ihrem Schmerzspezialisten besprechen, der Ihnen dann auch eine genaue Gebrauchsanweisung geben wird, wann welche Tabletten eingenommen werden sollen. Generell ist richtig, erst einmal abzuwarten, ob man überhaupt Medikamente braucht und wie sich der Kopfschmerz entwickelt. Die meisten Medikamente sind auch noch gut wirksam, wenn man sie erst bei voll ausgebildetem Kopfschmerz einnimmt. Eine zu schnelle und damit zu häufige Einnahme kann zu Kopfschmerzmittel-Kopfschmerz führen.

Ich nehme regelmäßig starke Medikamente ein. In den Beipackzetteln steht, daß ich dann nicht Auto fahren darf. Das würde allerdings meine Lebensqualität entscheidend beeinträchtigen. Wie kann ich mich richtig verhalten?

Bei den meisten Medikamenten ist die Einstellung eines stabilen Blutspiegels bei Dauereinnahme möglich. Bis die richtige Dosis gefunden wird und mögliche Nebenwirkungen wie z.B. Müdigkeit überwunden sind, dauert es meist einige Wochen. Während dieser Zeit dürfen Sie nicht Auto fahren, ebenso, wenn die Dosis verändert wird. Wenn Sie sich unter einer Dauermedikation fit fühlen und Ihre Reaktionsweise normal ist und Ihr Arzt Ihnen das bestätigt, können Sie auch mit Dauermedikamenten Auto fahren. Sie sollten allerdings sehr kritisch und vorsichtig sein, denn es gibt immer mal wieder Tage, wo man sich nicht so besonders gut fühlt, dann lieber Finger weg vom Steuer.

Ich nehme schon viele Monate Opioide ein und abends ein Antidepressivum. Im Urlaub sind mir die Medikamente ausgegangen. Ich bekam Herzrasen und Schweißausbrüche und habe mich sehr elend gefühlt. Haben mich diese Medikamente schon süchtig gemacht?

Durch das plötzliche Absetzen Ihrer Medikamente haben Sie körperliche Entzugserscheinungen verspürt, die sehr unangenehm sein können. Zentral wirkende Medikamente wie Opioide und Antidepressiva setzt man nicht nur langsam an (einschleichend), sondern auch langsam ab (ausschleichend), um solche Entzugserscheinungen zu vermeiden. Mit Sucht hat das nichts zu tun. Zur Sucht gehört die psychische Abhängigkeit, die sich in einem unbändigen Verlangen nach der Substanz ausdrückt, obwohl man keine Schmerzen hat.

Obwohl ich vor meiner Operation alle meine Medikamente aufgelistet hatte, z.B. auch meine Opioide, wurde das im Krankenhaus nicht berücksichtigt. Ich bin während der Narkose aufgewacht und habe auch direkt nach dem Eigriff unerträgliche Schmerzen gehabt. Brauche ich nicht eigentlich mehr Narkosemittel und nach der Operation auch mehr Schmerzmittel, weil ich schon an eine gute Portion über Jahre gewöhnt bin?

Selbstverständlich muß Ihr Arzt, besonders Ihr Anästhesist, Ihre Dauermedikation berücksichtigen. Diese Medikamente müsen vor der Operation entweder sehr rechtzeitig abgesetzt und durch eine nichtmedikamentöse Schmerztherapie ersetzt werden oder sie müssen weitergegeben werden. Dann ist allerdings der Verbrauch an Narkosemitteln während der Operation und Schmerzmitteln nach der Operation wesentlich höher als bei einem Patienten, der vorher keine Medikamente eingenommen hat. Dies sollten Sie immer im Vorgespräch mit dem Anästhesisten deutlich herausstellen und darauf bestehen, daß dies berücksichtigt wird.

Ich habe leider schon viele Operationen hinter mir und viele Schmerzen erdulden müssen. Jetzt ist wieder eine Operation notwendig, und ich fürchte mich sehr vor den Schmerzen, die da auf mich zukommen, besodners auch, daß ich nicht ernst genommen und für besonders empfindlich gehalten werde. Besonders fürchte ich mich vor Verbandswechseln und dem Ziehen von Drainageschläuchen. Ich habe es satt, diese höllischen Schmerzen zu ertragen. Wie kann ich mich davor schützen? An wen kann ich mich wenden?

Der Operateur kann noch so gut sein, ohne eine ausreichende Schmerztherapie während der ganzen Operationszeit und auch hinterher haben Sie jedoch nichts von seiner Kunst, die Heilung verläuft langsamer und Sie laufen Gefahr, daß die Schmerzen chronisch werden. Besprechen Sie dies mit dem Operateur, vor allen Dingen mit dem Anästhesisten, in dessen Händen meist die Schmerztherapie liegt. Sollten Sie hier kein Verständnis finden, wechseln Sie das Krankenhaus.

Nach Aussagen mehrerer anerkannter Schmerzspezialisten leide ich an einer Fibromyalgie. Ich weiß, daß diese Diagnose umstritten ist und die Schmerzen sehr viel mit der Psyche zu tun haben. Psychosomatisch orientierte Ärzte lehnen aber sämtliche Schmerzmittel und auch die Lokalanästhesie der schlimmsten Muskelverspannungen ab, obwohl mir das immer wieder Erleichterung bringt. Kann ich etwas falsch machen, wenn ich eine kleine Menge Schmerzmittel nach Bedarf nehme und mir ab und zu die verhärteten Muskeln spritzen lassen?

Sie können nichts falsch machen, wenn Sie bei einem erfahrenen Schmerzspezialisten in Behandlung sind. Er kennt Ziel und Grenzen dieser Therapie. Die Behandlung muß sich immer nach dem individuellen Schmerz und der Reaktion auf die Schmerztherapie richten und nicht nach dogmatischen Lehrmeinungen.

Wie bildet sich ein Schmerzgedächtnis und wie kann man das verhindern?

Dem Schmerzgedächtnis liegen neurobiologische Veränderungen zugrunde, die heute recht gut erforscht sind. Ganz allgemein wird dann aus einer lebenserhaltenden, warnenden, schmerzleitenden Nervenzelle eine schädliche, schmerzproduzierende Nervenzelle, die Ihrem Gehirn immer wieder Schmerzen meldet, ohne daß eine Ursache zu finden ist. Die Schmerzentstehung liegt im Nerven selbst. Der Körper kann nicht unterscheiden, ob der große Zeh weh tut oder ob der Nerv des großen Zehs erkrankt ist. Im Gehirn kommt immer die Meldung: "Großer Zeh schmerzt" an. Eine sorgsame Verhütung und Behandlung akuter Schmerzen ist die beste Prophylaxe gegen die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses. D.h. also, nach Unfällen und Verletzungen muß sehr rechtzeitig eine effektive Schmerztherapie eingeleitet werden, ebenso bei Operationen, Verbandswechseln, schmerzhaften diagnostischen Eingriffen usw. Da man im Vorfeld nie weiß, wann ein Schmerz chronisch wird, sollte akuter Schmerz immer ernst genommen werden.

Warum soll ich Schmerzmittel nach der Uhr und nicht nach Bedarf nehmen? Wird mein Schmerzmittelverbrauch dann nicht unnötig hoch?

Schmerzmittel sollen den Schmerz gleichmäßig und kontinuierlich unterdrücken, damit das Nervensystem zur Ruhe kommt und sich kein Schmerzgedächtnis entwickelt. Dazu ist es notwendig, die Wirkzeit des einzelnen Medikamentes zu kennen und rechtzeitig vor Ablauf der Wirkung eine erneute Dosis zu nehmen. Die Anzahl der eingenommenen Medikamente ist dann nur scheinbar höher als bei der Nach-Bedarfs-Medikation, und über einen längeren Zeitraum zeigt sich fast immer, daß die Medikamentenmenge bei einer Einnahme nach festem Zeitschema geringer ist als wenn Sie die Medikamente nach Bedarf einnehmen.

Für die Behandlung meiner Dauerschmerzen bekomme ich bei fast jedem Rezept ein anderes Präparat verordnet. Der Inhaltsstoff ist zwar immer gleich, die Packung sieht aber anders aus, die Tabletten auch. Beinhaltet dieser ständige Wechsel nicht die Gefahr, daß ich meine vielen Medikamente einmal durcheinander bringe?

Aus gesundheitspolitischen Gründen ist Ihr Arzt gehalten, Ihnen immer eines der preiswertesten Präparate zu verordnen, wenn Sie im Vergleich zum Originalpräparat gleichwertig sind. Daß sich die Firmen im Wettbewerb mit den Preisen zu unterbieten versuchen, ist erwünscht. Hier kann eine Menge Geld gespart werden. Daß es sich bei Ihrer Verordnung möglicherweise um eine andere Firma handelt, ist dabei leider nicht zu vermeiden. Der Arzt wird Sie über die Gleichwertigkeit der Präparate und die mögliche Namens- und Packungsänderung jedesmal informieren.

Mein Arzt verschreibt mir ein offiziell zugelassenes Medikament nur auf Privatrezept. Er sagt: für meine spezielle Krankheit sei dieses Medikament nicht zugelassen. Muß ich dieses Medikament dann wirklich selber zahlen?

In der Regel leider ja. Beim sog. Off-Label-Use (Gebrauch außerhalb der zugelassenen Indikation) ist Ihre Kasse nicht ohne Weiteres verpflichtet, die Kosten für das Medikament zu tragen. Sie sollten aber auf jeden Fall versuchen, eine Kostenerstattung zu bekommen. Da die Zahlungsverpflichtung der Krankenkasse nicht alleine an dem Zulassungsstatus hängt, sondern auch von wissenschaftlichen Kriterien abhängig ist. Besonders häufig werden nicht zugelassene Indikationen bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, bei Schwangeren und bei älteren Menschen über 65 Jahren benutzt. Für diese Patientengruppen sind fast keine Medikamente offiziell zugelassen. Hier sieht man einmal wieder, daß auf Teufel komm raus im Gesundheitswesen gespart werden soll und dann Regelungen mit tausend Ausnahmen herauskommen.

Wie kann ich unnötige Doppeluntersuchungen vermeiden, wenn ich zu einem neuen Arzt gehe, und wie kann ich sicherstellen, daß sich die vielen Medikamente, die ich von verschiedenen Ärzten verschrieben bekommen habe, auch zueinander passen?

Ein Arzt, idealerweise der Hausarzt, sollte alle Ihre Behandlungen und Medikamente koordinieren und überprüfen, ob auch alles zusammen paßt. Wenn Sie selbst von Arzt zu Arzt gehen, kann es Ihnen leicht passieren, daß der eine Arzt von der Therapie des anderen nicht genug weiß und dann unverträgliche oder gegenläufige Behandlungen dabei herauskommen.

Meine private Krankenversicherung weigert sich, meine Biofeedback-Behandlung zu bezahlen. Diese Leistung rechnet mein Arzt als sog. Analog-Leistung ab. Meine Krankenkasse behauptet aber, für diese Leistung gäbe es keine offizielle Analog-Ziffer der Bundesärztekammer, daher sei diese Leistung nicht erstattungsfähig. Was soll ich tun?

Es ist nicht richtig, daß allein der Analog-Ziffervorschlag der Bundesärztekammer die Grundlage der Erstattungen durch die Krankenversicherung ist. Die Privat-Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) sieht ausdrücklich vor, daß jeder Arzt nach bestimmten Regeln Analog-Ziffern bilden kann. Die Privatgebührenordnung wird sehr selten erneuert, so daß alle neuen Verfahren dort noch nicht zu finden sein können, selbst wenn sie wissenschaftlich erprobt sind. Mit den Ziffernvorschlägen der Bundesärztekammer hat das nichts zu tun.

Ist Migräne heilbar oder verschwindet sie z.B. mit den Wechseljahren?

Migräne ist eine anlagemäßige Erkrankung, die nicht heilbar ist. Es ist zwar möglich, daß lange kopfschmerzfreie Zeiten auftreten, aber von Ausheilung kann nicht die Rede sein. Mit dem Verschwinden der Migräne in den Wechseljahren können sie auch nicht fest rechnen. Es ist zwar manchmal so, besonders bei der zyklusabhängigen Migräne der Frau, aber durchaus nicht immer. Seien sie aber optimistisch. Es gibt heute für sehr effektive Medikamenten zur Vorbeugung und Behadlung der Migräne, durch die sie trotz Ihrer Erkrankung ein normales Leben führen können. Seien Sie nur vorsichtig, wenn Ihnen jemand verspricht, die Migräne zu heilen, das ist und bleibt nach den heutigen Erkenntnissen Scharlatanerie.

Ich habe vor acht Jahren eine Gürtelrose gehabt und habe noch heute starke Schmerzen. Alle Ärzte sagen, ich müsse damit leben. Das kann ich aber nicht. Lieber mache ich dann Schluß. Gibt es Hilfe für mich?

Ihre Schmerzen sind Ausdruck einer sog. Postzosterischen Neuralgie, also eines Nervenschmerzes nach Gürtelrose. Dieser Nervenschmerz entwickelt sich bei älteren Menschen, wenn die Akutphase der Erkrankung nicht richtig behandelt wird, d.h. nicht im akuten Stadium sofort Nervenblockaden der betroffenen Nerven vorgenommen werden. Man kann jetzt nach so vielen Jahren zwar auch noch eine Nervenblockaden-Serie machen. Es ist aber nur mit einem Teilerfolg zu rechnen. Außerdem gibt man Opioide, z.B. Valoron® N retard, Antiepileptika wie z.B. Gabapentin und Antidepressiva wie z.B. Amitriptylin. Lokal hat sich eine Einreibung mit Capsaicin (Pfeffersalbe) bewährt oder das Aufkleben eines Lokalanästhesiepflasters (Lidoderm®-Pflaster).

Wenn ich im Süden Urlaub mache, geht es mir blendend, aber sofort wenn ich an meinen Computerarbeitslatz zurückkehre, bekomme ich die alten Schmerzen in Kopf, Nacken und Armen wieder. Muß ich den Beruf wechseln oder auswandern?

Nein, sie müssen etwas gegen Streß und Verspannung tun. Neben regeläßigem körperlichen Training hat sich Biofeedback als Muskelentspannungsverfahren sehr bewährt. Bedenken Sie bitte, nicht der Streß ist schuld, sondern Ihr Umgang mit dem Streß. Wenn Sie Ihre täglichen Anspannungen nicht wieder los werden können, macht Sie das irgendwann krank. Also üben Sie ein Verfahren, z.B. mit Hilfe von Biofeedback ein, um mehrfach am Tag für einige Minuten eine Urlaubssituation zu simulieren. Dann werden Sie den Belastungen des Alltags besser gewachsen sein.

Es heißt, Streß macht krank. Jeder hat doch einmal Streß. Nur wenige werden davon krank. Warum reagiere ich auf Streß immer mit Kopfschmerzen?

Sie reagieren möglicherweise besonders empfindlich auf Streß und vor allen Dingen haben Sie es verlernt, sich zu entspannen. Mit Hilfe von Entspannungsverfahren wie Autogenem Training, Jacobson-Training oder Biofeedback können Sie das wieder lernen.

Meine Tochter hat in der Schule, beonders vor Klassenarbeiten, immer Kopfschmerzen. Obwohl sie eine gute Schülerin ist, sind ihre Noten inzwischen schlecht geworden. Das macht ihr natürlich auch Kummer und Kopfschmerzen. Kopfschmerztabletten helfen auch nicht mehr so richtig. Sollte sie die Schule wechseln? Wie können wir ihr helfen?

Schon Kinder leiden häufig unter Streß und Nicht-Entspannenkönnen, weil die Leistungsanforderungen in der Schule manchmal zu hoch sind, oder die richtigen Pausen fehlen bzw. nicht genutzt werden. Bei kindlichem Kopfschmerz hat sich die Behandlung mit Akupunktur und Biofeedback bewährt. Tabletten sollten nur im Ausnahmefall genommen werden. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, daß der Leistungsdruck von zu Hause zu hoch ist oder in der Schule Konflikte bestehen, die von Ihrer Tochter noch nicht angesprochen wurden. Hier wäre ein Gespräch mit einem Jugendpsychotherapeuten sinnvoll.

Gegen meine chronischen Rückenschmerzen bekomme ich von allen Ärzten immer wieder Spritzen und Medikamente. Kann man hier nicht etwas Sanftes, Naturheilkundliches tun?

Das kommt auf die Art Ihrer Rückenschmerzen an. Wenn Sie ledigich verspannt sind, helfen physikalische Therapie, Kneipp-Anwendungen, Entspannungsverfahren. Wenn sie rheumatisch bedingt sind, können sie die Wirkung von Teufelskrallepräparaten versuchen, auch Dynamis und Hydro-Jet können Ihre Muskeln entspannen. Wenn Sie sehr heftige Rückenschmerzen haben, werden Sie wohl nicht darum herumkommen, immer mal wieder Medikamente einzunehmen, weil Sie das auch am unabhängigsten von irgendwelchen Therapien macht.

Warum muß ich denn einen langen Fragebogen ausfüllen, ehe ich zu Schmerztherapie kommen kann? Ist das nicht zu viel Bürokratie?

Einen qualifizierten Schmerztherapeuten erkennen Sie immer an seinen Fragebögen und Dokumentationsinstrumenten. Der Schmerzfragebogen hilft Ihnen, Ihre Vorgeschichte zu sortieren und sich auf die spezielle Frageweise Ihres Arztes einzustellen. Das Wichtigste wird ohnehin in einem ausführlichen Gespräch erklärt. Sie müssen dann aber nicht mehr darüber nachdenken, wann Sie woran operiert wurden und wie die Qualität Ihres Schmerzes ist. Darüber haben Sie früher sicherlich noch nie nachgedacht. Der Schmerzfragebogen ist also der rote Faden für das ärztliche Erstgespräch. Er hilft Ihnen, sich auszudrücken und Ihrem Arzt, Sie zu verstehen.

Ich muß wegen meiner Migräne immer einen Schmerzkalender führen. Werde ich durch diese Aufzeichnungen nicht ständig an meine Krankheit erinnert?

Es stimmt schon, daß der Schmerzkalender sie zwingt, sich regelmäßig mit Ihren Schmerz zu beschäftigen und es besser wäre, sich auf Ihre gesunden Zeiten zu konzentrieren. Bei chronischen Schmerzen ist es aber häufig notwendig, den zeitlichen Verlauf, die Wirkung der Therapie und die Einflüsseder Umwelt zu analysieren, und das geht nut mit solch einem Schmerztagebuch. Die Anwendung sollte aber begrenzt sein.

Ich habe oft heftige Kreuzschmerzen. Die Wirbelsäule ist jedoch im Röntgenbild in Ordnung. Ein Bandscheibenvorfall ist es auch nicht. Niemand hat bisher eine richtige Diagnose stellen können. Ich denke jetzt, daß ich wahrscheinlich etwas ganz Schlimmes habe. Soll ich mich noch einmal ganz genau röntgen lassen?

Eine weitere Untersuchung wird wahrscheinlich nicht nötig sein, da Sie schon mehrfach ganz genau untersucht wurden. Bei den meisten Kreuzschmerzen genügt eine klinische Untersuchung und das Röntgenbild wird mehr zur Sicherheit angefertigt, daß man den Zustand der Wirbelsäule beurteilen kann. Befunde im Röntgenbild und Ihre Schmerzen klaffen häufig weit auseinander. Es gibt im Röntgenbild schwer veränderte Wirbelsäulen, die keine Schmerzen verursachen und im Röntgenbild völlig normale Wirbelsäulen, die mit starken Schmerzen einhergehen. D.h. also für Sie: das Wichtigste ist die klinische Untersuchung durch Ihren Arzt. Das Röntgenbild ist ein Hilfsmittel. Wenn festgestellt worden ist, daß Ihre Schmerzen nicht von der Wirbelsäule kommen, sollten Sie sich damit begnügen. Der muskelbedingte Rückenschmerz (myofascialer Rückenschmerz) ist etwas ganz Häufiges. Die Schmerzen gehen dann von verkrampften Bändern und Muskeln aus. Sie können in die Beine ausstrahlen, und an der Wirbelsäule und im Röntgenbild sieht man überhaupt nichts. Die Diagnose "myofascialer Rückenschmerz" klingt wahrscheinlich nicht so gut wie "Bandscheibenvorfall". Sie ist aber wesentlich häufiger und oft genauso schmerzhaft und behindernd. Sie sollten sich damit notgedrungen zufrieden geben. Weitere diagnostische Maßnahmen sind nicht notwendig, allerdings eine intensive Therapie, die Sie aktiviert und mobilisiert.

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