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Fachartikel

Wissenschaftliche Erkenntnisse über die Zusammenhänge von Schmerz und Emotionen

Die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Schmerz und seelischer Beeinträchtigung sind in neuerer Zeit auf biologischer Ebene intensiv untersucht worden. Die Erforschung der biologischen Grundlagen dieser Prozesse an den Nerven hat gezeigt, daß der chronische Schmerz - ebenso wie eine Depression oder die Angst - als Gemütszustand angesehen werden kann. In den Nerven wurden überlappende Regelkreise nachgewiesen, die sowohl für das Auftreten von gefühlsmäßigen (affektiven) als auch für körperliche (somatischen) Funktionen zuständig sind.
In bestimmten Nervenregionen des Gehirns sind gefühlsbetonte (emotionelle) und auf das Bewußtsein ausgerichtete (kognitive) Systeme untereinander verbunden. Durch "Verstärker- und Filterfunktionen" wird in diesem Nervensystemen ausgewählt, welchen Signalen aus der Umgebung unsere bewußte Aufmerksamkeit gelten soll.
Die Wahrnehmung und Einordnung des Schmerzes wird zunächst durch die Nozizeptoren (Nervenenden zur Reizaufnahme im peripheren Gewebe) verarbeitet. In unterschiedlichen Bereichen des Gehirns kommt es danach zu Gemütsbewegungen (Emotionen), Aufmerksamkeit, Bewußtwerden und Gedächtnis für diese Vorgänge. Die Wahrnehmung von Gefühlsregungen (Affekten) und von chronischem Schmerz findet zumindest teilweise innerhalb gleicher Gebiete der Hirnrinde statt, so daß eine gegenseitige Beeinflussung angenommen werden muß. Der Patient kann dann praktisch nicht mehr unterscheiden, wo die Ursache seiner Mißempfindung liegt. Eine negative Gefühlsempfindung zeigt sich bei vielen Menschen dementsprechend als körperlicher Schmerz oder sie verstärkt das Bewußtsein für den Schmerz. Die therapeutischen Konsequenzen aus diesen Erkenntnissen spiegeln sich in den häufig notwendigen vielseitigen Therapiekonzepten bei der Behandlung chronischer Schmerzzustände wieder.

Quelle: H. Gündel, 19. Fortbildungskongreß: Fortschritte der Allergologie, Immunologie und Dermatologie, Davos, 17. - 19. Sept. 2003

2003, Autor: H. Gündel

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