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Fachartikel

Welche Vorteile bringt die Physiotherapie bei Rückenschmerzen im Vergleich zu eigenen Übungen gemäß Anweisung.

Eine Vergleichsstudie

Rückenschmerzen bedeuten für viele Menschen gleichzeitig gravierende Einschränkungen bei den täglichen Verrichtungen oder im Arbeitsleben. Im Vordergrund der Behandlungsmaßnahmen steht in vielen Fällen die Physiotherapie. Hierbei wird entsprechend den individuellen Gegebenheiten ein Programm durchgeführt, das meist auf Gelenkmobilisation und auf sportliche Übungen ausgerichtet ist.
Um die Effizienz der Routine-Physiotherapie im Vergleich zur alleinigen Durchführung entsprechender Übungen zu überprüfen, wurde eine Vergleichsstudie an Patienten mit chronischen Rückenbeschwerden eingeleitet.
Hierbei wurde die (in Großbritannien übliche) Physiotherapie mit der einmaligen Befunderhebung und einer ca. einstündigen Anweisung zur Durchführung von Übungen durch einen Physiotherapeuten verglichen. Bei der Physiotherapie (durchschnittlich 5 Sitzungen) wurden ebenfalls Anweisungen gegeben und Behandlungen an den Gelenken, den Weichteilen und an der Wirbelsäule vorgenommen. Die Programme umfaßten die üblichen Techniken incl. Wärme- und Kältebehandlung; sie wurden von ausgebildeten Physiotherapeuten durchgeführt. Die Auswerter der Studie kannten nicht die zuvor zufällig vorgenommene Zuordnung der einzelnen Patienten zur jeweiligen Gruppe.
Für die Auswertung nach 12 Monaten wurde ein Index ausgewählt, der eine Unterteilung von 0 bis 100% Behinderung aufwies. Außerdem wurde mittels Fragebogen eine Reihenfolge von Funktionen, die durch Schmerzen des Patienten beeinträchtigt wurden, registriert.
Insgesamt wurde die Studie anhand von 286 geeigneten Patienten mit leichten bis mittelschweren Rückenschmerzen ausgewertet, wovon 144 physiotherapeutisch behandelt wurden und 142 eine nur einmalige Anwendung erhalten sollten. Allerdings mußte bei 8 Patienten die Einweisung wiederholt werden; bei 16 weiteren Patienten ergab sich nach Meinung der Ärzte oder der Physiotherapeuten die Notwendigkeit einer intensiveren Behandlung unter Aufsicht.
Bei der Abschlußauswertung mußte festgestellt werden, dass sich keine Unterschiede im Behandlungserfolg bei den beiden Gruppen ergeben hatten. Der Index der Beeinträchtigung unterschied sich nach 12 Monaten zwischen den beiden Gruppen nur um 1.04%.
Auch die körperliche Funktionsfähigkeit, die Körperschmerzen, der allgemeine Gesundheitszustand, die Vitalität und die soziale Einordnung zeigten keine gesicherten Unterschiede in Abhängigkeit von der Gruppenzugehörigkeit bei den Patienten, deren Daten abschließend ausgewertet werden konnten.
Bei Zwischenuntersuchungen nach 2 und 6 Monaten gaben die Patienten an, dass die Physiotherapie ihnen mehr Vorteile hinsichtlich der geistigen Verfassung und der körperlichen Funktionen gebracht hätte.
In Anbetracht des Verlaufs dieser Studie bleibt es weiterhin nicht völlig geklärt, inwiefern Patienten mit leichten bis mittelschweren Rückenschmerzen von einer gezielten Physiotherapie wirklich mehr profitieren als von eigenen Übungen entsprechend einer intensiven Anweisung durch einen qualifizierten Physiotherapeuten, zumal viele Eintragungen in den für die Prüfung ausgegebenen Studientagebüchern unvollständig ausgefüllt waren und eine nachvollziehbare Kontrolle der Befolgung aller Anweisungen nicht stattfand.

Quelle: H. Forst et al. BMJ 2004, 329:708

2004, Autor: H. Forst

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