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Fachartikel

Schmerzhafte Beschwerden durch Bandscheibenschäden

Beschwerden im Lendenbereich (Lumbalbereich) mit symptomatischem Bandscheibenvorfall oder Schmerzen im Bereich des Ischias-Nerven stellen für Ärzte und Pflegepersonal eine große Herausforderung dar.
Die Diagnose eines Bandscheibenschadens, die auf der Vorgeschichte (Anamnese) des Patienten, sowie auf den typischen klinischen Zeichen (Symptomen) und erprobten körperlichen Untersuchungsverfahren beruht, wird in mehr als 5% bei Männern und in fast 4% bei Frauen gestellt. Es ist hauptsächlich ein Leiden älterer Menschen; der erste Schaden an der Bandscheibe kann allerdings schon im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt begonnen haben. Bei größeren Untersuchungen wurden auch genetische Einflüsse auf die Empfindlichkeit gegenüber derartigen Rückenbeschwerden nachgewiesen. Bestimmte genetische Konstellationen bedingen Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung des Materials, aus dem der Bandscheibenkern besteht. Häufig sind die Betroffenen wegen ihrer Beschwerden bereits im Krankenhaus - teilweise operativ - behandelt worden. Bei ca. 6% aller arbeitsunfähigen Patienten und bei fast 40% der Patienten mit Rückenbeschwerden werden krankhafte Veränderungen an den Bandscheiben im Lumbalbereich festgestellt. Die große Problematik liegt darin, dass ein Bandscheibenschaden zur Beeinträchtigung der Muskeln, der Bänder und der kleinen Gelenke führt. Allerdings muss auch beachtet werden, dass ein im Röntgenbild oder im Kernspin nachgewiesener Bandscheibenschaden nicht immer mit schweren Schmerzen verbunden ist oder sein wird.
Der Schaden an der Bandscheibe kann verursacht werden durch eine unzureichende Blutversorgung im Zusammenhang mit einer Atherosklerose der das Gewebe versorgenden Blutgefäße. In den auf diese Weise geschädigten Bandscheibenkern dringen Nerven ein, die Schmerzempfindung vermitteln und Schmerz-vermittelnde Substanzen (Substanz P, Interleukine, Tumor-Nekrose-Faktor-alpha) freisetzen. Die Abhängigkeit des Vorhandenseins von Schmerzen und ihrer Stärke ist besonders auf diese Prozesse zurückzuführen.
Insofern sind auch die Befunde bei der Röntgenkontrastdarstellung (Diskographie), die auf Schäden an der Bandscheibe hindeuten, nicht aussagekräftig hinsichtlich der schmerzhaften Beschwerden des Patienten.
Die mechanischen Folgen der Bandscheibendegeneration beinhalten den Verlust der Bandscheibenhöhe und eine Stabilitätsbeeinträchtigung des Wirbelsäulenbereiches, in dem der Schaden auftritt. Dadurch entstehen weitere Schäden an den Gelenken mit Haltungsfehlern, die ebenfalls schmerzhafte Beschwerden verursachen können.
Um eine chirurgische Behandlung einzuleiten, muss eine sorgfältige Auswahl der Patienten entsprechend ihrer Situation getroffen werden. Es hat sich gezeigt, dass durch einen chirurgischen Eingriff in schweren Fällen eine schnellere Milderung der schmerzhaften Beschwerden erzielt werden kann.
Mit der percutanen Bandscheibenentfernung oder der enzymatischen Zerstörung des geschädigten Bandscheibengewebes werden etwas weniger überzeugende Resultate erzielt. Weitere Studien sind notwendig, um optimale Methoden festlegen zu können, zumal die Resultate über längere Zeiträume noch nicht abgeschätzt werden können.
Die Methoden der Stabilisierung (Versteifung) betroffener Gelenkabschnitte zur Verhinderung schmerzhafter Bewegungen ist nicht unumstritten und wird weiter erforscht.
Als neue Methode zur Behandlung von Rückenschmerzen im Lendenbereich und Lumbalgien in der Folge von Bandscheibenschäden ist die Elektrothermale Therapie innerhalb der Bandscheibe (intradiscal elektrothermal therapy). Auch auf diesem Gebiet müssen noch weitere Prüfungen durchgeführt werden, bis ein abschließendes Urteil über die geeigneten Patienten und den möglichen Erfolg getroffen werden kann.
Beim Ischias-Schmerz wird teilweise mit selektiver Nervenblockade vorgegangen, um einen schweren chirurgischen Eingriff zu vermeiden oder hinauszuzögern.
Zur medikamentösen Behandlung werden Substanzen erprobt, mit denen die Wirkung der entzündungsfördernden und Schmerz-auslösenden Substanzen (Interleukine, Tumor-Nekrose-Faktor-alpha) blockiert werden kann.
Es bleibt fraglich, ob die Therapie mit Biologicals zu einem Erfolg führen kann und ob die zu erwartenden Kosten dem bisher unklaren Resultat entsprechen werden.
Derzeit müssen eine angemessene physiotherapeutische Behandlung und körperliche Übungsprogramme im Vordergrund bei der Versorgung von Patienten mit Schmerzen im Lendenbereich in der Folge von Bandscheibenschäden stehen. Zusätzlich werden entzündunsghemmende Schmerzmittel empfohlen, nicht zuletzt, um die Bewegungsübungen ohne größere Schmerzen möglich zu machen. Der Patient kann sich selbst auch durch einen Verzicht auf das Rauchen und das Vermeiden von Anheben bzw. Tragen schwerer Lasten helfen.

Quelle: H. Hurri und J, Karpinnen, Topical Review: Discogenic pain, Pain 112 (2004)

2004, Autor: H. Hurri und J. Karpinnen

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