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Fachartikel

Abhängigkeit von Behinderungen und ängstlichen Verhaltensweisen von körperlichen Aktivitäten bei Patienten mit Rückenschmerzen

Chronische Rückenbeschwerden führen häufig zu einer starken Abneigung gegen körperliche Aktivitäten. Die Angst vor (erneuten) Schäden bzw. Verletzungen an der Wirbelsäule ist viel häufiger der Grund, wenig aktiv zu sein als die eigentliche Schmerzempfindung es zuließe.
Der erlittene Schmerz wird als Bedrohung empfunden und verursacht die Furcht, dass sich das Beschwerdebild durch körperliche Anstrengungen verstärken kann. Diese Verhaltensweise kann im Laufe der Zeit zu einer wirklichen Behinderung führen.
Allerdings spielen hierbei viele persönliche Aspekte eine bedeutende Rolle, und nicht alle Patienten mit Rückenschmerzen vermeiden körperliche Aktivitäten.
Um dieser Frage genauer nachzugehen, wurde in den Niederlanden eine Studie an 123 Patienten (66 Männer, 57 Frauen) im Durchschnittsalter von 44 Jahren mit immer wieder auftretenden Rückenschmerzen durchgeführt.
Mit Hilfe von Fragebogen wurde die durchschnittliche körperliche Aktivität der Patienten im letzten Jahr vor Beginn der Rückenschmerzen erfasst, wobei berufliche und sportliche Aktivitäten berücksichtigt wurden. Aus den Angaben wurde ein Punktwert errechnet, der als Basis für die Vergleiche vorher-nachher diente.
Um die körperlichen Aktivitäten im täglichen Leben nach Beginn der Schmerzattacken festzustellen, wurde ein Gerät verwendet (Accelerometer), mit dem die Summe aller körperlichen Bewegungen registriert werden kann. Das Gerät wurde tagsüber (außer beim Baden oder Duschen) an der Hüfte der Patienten für eine Woche befestigt. Außerdem wurden die Patienten nach der Häufigkeit von Aktivitäten wie Laufen, Arbeiten, Einkaufen, Treppensteigen gefragt und um eine Beurteilung gebeten, ob sie diese Aktivitäten häufiger ausüben würden, wenn sie keine Rückenschmerzen hätten. Auch hieraus wurden Punktwerte berechnet, die sich mit den Ausgangswerten vergleichen ließen.

Ebenso gingen in die Auswertung dieser Studie ein:

  • die Schmerzstärke, gemessen auf einer Skala von 0 bis 100
  • die Behinderung durch die Schmerzen
  • das Ausmaß der Furcht vor weiteren Schäden
  • die Eigenbeurteilung der seelischen Verstimmung (Depression).

Die Schmerzstärke der Patienten lag im Durchschnitt bei 42 auf der Skala von 0 bis 100. Die statistische Auswertung der Studie zeigte, dass das Ausmaß der Abnahme körperlicher Aktivität nach Beginn der Rückenschmerzen tatsächlich gesichert mit Behinderungen, Angst vor neuen Verletzungen, Furcht vor weiteren Schmerzen und mit der Stärke der Schmerzen verbunden war.

Der Rückgang körperlicher Aktivität nach Schmerzbeginn war besonders maßgeblich für die Entwicklung von Behinderungen bei der Ausübung von täglichen Verrichtungen, wenn die Patienten vor dem Auftreten von Rückenschmerzen intensiv aktiv waren.
Patienten, die vor Beginn der Rückenschmerzen sehr aktiv waren, sehen die Einschränkungen durch die Beschwerden als schwerwiegender an als die Patienten, die sich zuvor körperlich nur wenig angestrengt haben.
Entscheidend ist also, dass die Verminderung der körperlichen Aktivitäten nach Schmerzbeginn dazu führt, dass der Patient hinsichtlich weiterer Schäden oder Verschlechterungen noch ängstlicher wird und seine Behinderung zunimmt. Damit ergibt sich die Notwendigkeit, nach Beginn der Rückenschmerzen keinesfalls auf körperliche Aktivitäten zu verzichten, sondern sich durch Schmerztherapeuten hinsichtlich eines Gesamtkonzepts beraten zu lassen, das für jeden einzelnen Patienten die besten medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen (Sport, Physiotherapie etc.) beinhaltet.
 
Quelle: J. A. Verbunt et al. Europ. J. of Pain 9 (2005) 417-435

2005, Autor: J. A. Verbunt et al. Europ. J. of Pain

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